Wie sieht berufliche Bildung in China aus? Welche Rolle spielen deutsche Unternehmen bei der Ausbildung vor Ort? Und wie können langfristige Partnerschaften zwischen deutschen und chinesischen Berufsschulen entstehen? Diesen Fragen ging eine Delegation aus Lehrkräften und Schulleitung der BS III Bamberg Business School während einer Erasmus+-Mobilität nach China nach.
Im Mittelpunkt standen dabei Einblicke in die chinesische Berufsbildung, Besuche von Unternehmen, Hochschulen und beruflichen Bildungseinrichtungen sowie der Austausch mit der AHK Shanghai. Ziel der Mobilität war es, internationale Kooperationen anzubahnen und den fachlichen Austausch über innovative Ansätze der beruflichen Bildung zu fördern.

Beim Besuch des deutschen Familienunternehmens KERN-LIEBERS in Taicang wurde deutlich, wie eng betriebliche Ausbildung, internationale Wirtschaft und berufliche Bildung miteinander verzahnt sind. Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch der traditionsreichen Tsingtao-Brauerei in Qingdao, die 1903 von deutschen und britischen Kaufleuten gegründet wurde und bis heute die historischen Verbindungen zwischen Deutschland und China widerspiegelt.
Spannende Einblicke in die Zukunft der Bildung boten zudem die Tongji University und das Shanghai Nanhu Vocational & Technical College. An der Tongji University diskutierten wir über technologische Entwicklungen sowie deren Bedeutung für die Lehrkräfteausbildung und Berufsbildung. Besonders beeindruckend war der Besuch eines KI-gestützten Smart Classrooms, der eindrucksvoll zeigte, wie intelligente Assistenzsysteme, adaptive Lernumgebungen und digitale Technologien den Unterricht bereits heute unterstützen und individualisieren. Am Shanghai Nanhu Vocational & Technical College konnten wir anschließend erleben, wie diese digitalen Technologien und Künstliche Intelligenz praxisnah in die berufliche Lernumgebung integriert werden.



Erkenntnis 1: Unterschiedliche Stärken – gemeinsames Potenzial
China beeindruckt durch die Geschwindigkeit, mit der digitale Technologien und KI in Schule und Ausbildung Einzug halten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das deutsche duale Ausbildungssystem mit seiner engen Verzahnung von Schule und Betrieb international hohes Ansehen genießt. Beide Systeme bieten unterschiedliche Stärken – und damit großes Potenzial, voneinander zu lernen.
Erkenntnis 2: Partnerschaften entstehen durch persönliche Begegnungen
Erst die Gespräche vor Ort, gemeinsame Schulbesuche und der persönliche Kontakt schaffen Vertrauen und ein tieferes Verständnis für unterschiedliche Bildungs- und Arbeitskulturen. Mit den neu geknüpften Kontakten wurden wichtige Grundlagen für zukünftige Kooperationen geschaffen.
Erkenntnis 3: Gemeinsam Zukunft gestalten
Die größten Chancen entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen zusammenkommen. Internationale Mobilitäten schaffen die Grundlage, voneinander zu lernen, gemeinsame Ideen zu entwickeln und die berufliche Bildung zukunftsorientiert weiterzudenken.
Ein herzlicher Dank gilt der Tongji University, dem Shanghai Nanhu Vocational & Technical College sowie der AHK Shanghai für die Gastfreundschaft, den offenen Austausch und die wertvollen Einblicke. Ein besonderer Dank geht an Tido Janssen und das Team der AHK Shanghai für die hervorragende Unterstützung und die Möglichkeit, Perspektiven für eine zukünftige Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Bildung auszuloten. Die Präsentationen der gemeinsam entwickelten Workshopkonzepte der deutschen und chinesischen Lehramtsstudierenden unterstrichen eindrucksvoll das Potenzial solcher Partnerschaften, insbesondere des Universitätsschulkonzepts, das wiederum Grundlage für solche gemeinsamen Projekte war und ist. Abschließend noch ein herzlicher Dank an Prof. Dr. Gerholz und sein Team der Wirtschafts- und Gesundheitspädagogik Bamberg für die Organisation und die Bereitstellung der Netzwerke. Das ist gelebte Universitätsschule!
Carmen Hertha