Berlin ist wirklich eine Reise wert

Passend zum ersten Advent startete ein Teil der Fachschaft Politik und Gesellschaft mit Verstärkung durch Vertreter der Berufsschulen I und II am 30.11. zu einer Fortbildungsfahrt nach Berlin. Ziel war es zum einen anhand der deutsch-deutschen Geschichte das Bewusstsein für einen demokratischen Staat zu stärken, zum anderen durch einen Besuch des Bundestags einen Einblick in den Ausdruck der Volkssouveränität in Deutschland zu bekommen. Die Fortbildungsfahrt stand also insgesamt unter dem Zeichen der Demokratiebildung.

Berlin bietet hunderte Möglichkeiten, um die Teilung Deutschlands, die DDR als totalitären Staat und die Geschichte der Wiedervereinigung plastisch zu erleben. Deshalb teilte sich die Reisegruppe am Montagvormittag in verschiedene Gruppen auf. Eine Gruppe besuchte das Stasi-Archiv im früheren Stasi-Hauptquartier. Die Ausstellung dort zeigt die Entstehung von Stasi-Unterlagen und verdeutlicht anhand von Beispielen die Auswirkungen der Stasi-Arbeit auf die Betroffenen. Eine weitere Gruppe machte sich auf den Weg zum Checkpoint Charlie. Dort vollzogen die Teilnehmer in der Ausstellung „Black Box Kalter Krieg“ die Zusammenhänge und Ereignisse der Nachkriegsgeschichte bis zur Wiedervereinigung 1990 nach.

Am Nachmittag freuten sich die Teilnehmer auf die Besichtigung des Bundestages und vor allem das Treffen mit dem Abgeordneten Andreas Schwarz MdB. Herr Schwarz vertritt für die SPD seit über 10 Jahren engagiert unsere Heimatregion (Bamberg, Coburg, Forchheim) im Bundestag. Seine spontane und selbstverständliche Bereitschaft ermöglichte uns den Besuch unseres Parlaments. Noch während der Wartezeit auf den Einlass in den Bundestag konnten wir live miterleben, dass wir uns im Zentrum unserer Macht befinden. Vor dem Kanzleramt wurde der Staatsbesuch des polnischen Ministerpräsidenten Tusk vorbereitet. Nach ein paar Gesprächen mit den Musikern und unter der beschwingten Melodie der polnischen Nationalhymne waren wir bereit für den Eintritt in den Entstehungsort unserer Gesetze. Neben den allgemeinen Informationen, die uns ein Mitglied des Besucherdienstes im Bundestag gab, machte das persönliche Gespräch mit unserem Abgeordneten den Nachmittag zu einem echten Gewinn. In einem 1,5-stündigen Gespräch berichtete Herr Schwarz über seine Tätigkeiten und die Abläufe im Gesetzgebungsorgan. Seine persönlichen, humorvollen und manchmal durchaus kritischen Ausführungen führten zu einem angeregten Gespräch auf Augenhöhe. Für unseren Unterricht in PuG nehmen wir deshalb nicht nur interessante Fakten und Informationen über die Arbeitsabläufe im Bundestag mit, sondern die Bezeichnung „Volksvertreter“ für den Abgeordneten wurde uns in dem Gespräch greifbar gemacht. Wir bedanken uns noch einmal recht herzlich bei Herrn MdB Schwarz für die Einladung und die viele Zeit, die er sich für uns genommen hat!

Nach einem Abendessen in der Kantine des Bundestages haben wir den Abend wie auch schon am Tag zuvor auf einem der über 100 Weihnachtsmärkte in Berlin ausklingen lassen. Hier konnten wir uns bei der Auswahl des Ortes auf persönliche Empfehlungen unseres Abgeordneten verlassen.

Der nächste und leider letzte Tag war der DDR-Geschichte gewidmet. Dazu besuchten wir die Gedenkstätte Hohenschönhausen. Die Gedenkstätte befindet sich im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Das junge Team der pädagogischen Mitarbeiter eröffnete uns zunächst Möglichkeiten, wie wir auch in Bamberg die Grausamkeit der DDR-Zeit unseren Schülern verdeutlichen können. Die perfide Arbeitsweise der Stasi wurde uns allerdings erst in der Führung durch die Gedenkstätte voll bewusst. Die Führung leitete ein Zeitzeuge, der uns zunächst durch die verschiedenen Bereiche des ehemaligen Gefängnisses dirigierte: das so genannte U-Boot, das in der Stalinzeit für politische Gefangene genutzt wurde; den Zellentrakt sowie die Vernehmerräume. Der alte Teil des Gefängnisses aus der ersten Nachkriegszeit bedrückte besonders durch Kälte-, Wärme, Hock- oder Stehzellen. Die Grausamkeit des stalinistischen Regimes entsetzte und bedrückte uns Zuhörer sehr. Allerdings waren die Methoden der Stasi in den späteren DDR-Jahren nicht weniger grausam, sie fanden allerdings vermehrt auf der psychischen Ebene statt. In beiden Fällen ging es darum, den Gefangenen zu brechen. In den frühen Jahren vor allem durch körperliche Folter, in den folgenden Jahren durch psychische. Anhand der eigenen Geschichte malte der Zeitzeuge ein äußerst plastisches Bild von den Methoden der Staatssicherheit und dem Alltag in „der Fabrik“. So wurde von den Vernehmern in der Umgangssprache das Untersuchungsgefängnis genannt. Der Betrieb diente nicht nur dazu, politische Gegner mundtot zu machen und aus dem Verkehr zu ziehen. Er war offensichtlich auch ein Wirtschaftsfaktor für die DDR-Führung, weil durch Auslöseforderungen für westdeutsche Gefangene die Staatskasse gefüllt wurde.

Nach diesen sehr bedrückenden Einblicken mussten wir uns vor der Heimreise nach Bamberg noch mit einer echten berliner Currywurst stärken. Insgesamt war Berlin für uns als Fachgruppe PuG tatsächlich „eine Reise wert“. Hier verbinden sich Geschichte und aktuelle Politik. Unser Grundgesetz ist bei der Entstehung durch die Erfahrungen aus der Geschichte geprägt worden, Unterricht in PuG lässt sich also ohne geschichtliche Hintergründe kaum unterrichten.

StDin Margot Selzam