BS III Bamberg
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Staatliche Berufsschule III Bamberg

Büroberufe - eine Ausbildung ohne Zukunft?

Berufsschüler befragen Bamberger Unternehmer.

Pressemeldungen im FT, der SZ und der FAZ über einen massiven Abbau von Stellen im Büro- und Verwaltungsbereich haben die Klasse WBÜ 12b – eine Klasse für Bürokaufleute an der BS III, Bamberg - und ihren Klassenlehrer Peter Weinmann angeregt, sich mit den Anforderungen im Büro der Zukunft zu befassen.

In einer sechswöchigen Projektarbeit sammelten die angehenden Bürokaufleute Material um die unbestritten notwendigen Veränderungen in der Bürowelt der Zukunft zu dokumentieren.

Zunächst zog man wissenschaftliche Untersuchungen des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart heran.

In einer empirischen „Office 21“ – Studie zur Zukunft der Arbeit wurde von den Wissenschaftlern eine eindeutige Korrelation zwischen der „Modernität“ eines Büros und der „Leistung“ festgestellt. Je höher der „Modernitätsgrad“ ist, desto höher ist auch der „Leistungsgrad“ im Büro!

Zahlreiche Vorschriften zu beachten

Wenn neue Büroarbeitsplätze eingerichtet werden, sind zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Vorschriften der Berufsgenossenschaften zu beachten.

Eine Schülergruppe stellte das Spektrum der wichtigsten rechtlichen Grundlagen in einer Präsentation vor, ausgehend vom Arbeitsschutzgesetz über die Bildschirmarbeitsverordnung bis hin zur Gefahrstoffverordnung. Die Schüler arbeiteten heraus, dass der Arbeitgeber eine „Präventionspflicht“ hat und dafür Sorge tragen muss, dass keine arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren entstehen können. Der Arbeitgeber muss nach den rechtlichen Vorschriften regelmäßig die Gefährdungen am Arbeitsplatz beurteilen, dokumentieren und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten. Ferner müssen die Mitarbeiter über den Arbeitsplatz aufgeklärt werden, erst dann liegt ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz vor.

Desk sharing senkt Investitionskosten

Die nächste Präsentation stellte beispielhaft einige Unternehmen vor, die bereits moderne Büroarbeitsplätze eingerichtet haben. Regional bekannt ist die Konzeption der „Brose Arbeitswelt“. Bei dem Automobilzulieferer ist das „desk sharing“ bereits eingeführt, d. h. die Mitarbeiter haben keinen eigenen Schreibtisch mehr, sondern können jeden freien Arbeitsplatz nutzen und sich von dort ins Firmennetzwerk einloggen.

Als weiteres Beispiel diente die Firma Mann und Hummel aus Ludwigsburg (ebenfalls ein Automobilzulieferer), die auch das desk sharing – Prinzip anwendet. In kurzen Filmausschnitten wurde die Arbeitswirklichkeit vorgestellt und die Mitarbeiter über ihre Erfahrungen befragt. Grundsätzlich, so die Unternehmensleiter, stieg die Arbeitsproduktivität im Büro deutlich. Außerdem hat sich das „clean desk“-Prinzip durchgesetzt. Es gibt keine Papierberge mehr auf dem Schreibtisch, alles wird durch eine verbesserte Arbeitsdisziplin rechtzeitig erledigt. Des Weiteren wurden Begegnungsmöglichkeiten im Büro geschaffen, z. B. eine Kaffeetheke, wo Mitarbeiter auf kurzen Wegen betriebliche und auch private Vorgänge besprechen können. Ergebnisorientierte Vergütungssysteme, flexible Arbeitszeiten, sowie attraktive Sozialleistungen, z. B. ein Fitnesszentrum, verbessern die Identifikation mit dem Unternehmen.

Befragung bei Bamberger Unternehmen

Um herauszufinden, wie die Ausbildungsunternehmen in der Bamberger Region die Veränderungen in der Bürowelt beurteilen, führten die Berufsschüler eine (nicht repräsentative) Befragung durch. Sie erstellten einen Fragebogen mit 10 Fragen, der detailliert die Einschätzung von Unternehmensleitern zu diesem Themenkomplex erkundete. In den 7 Büroklassen der kaufmännischen Berufsschule III, gab man über einen Erhebungszeitraum von 2 Wochen 120 Fragebögen an die Ausbildungsunternehmen aus. Die hohe Rücklaufquote von 65 % zeigt, dass die Befragung von den Unternehmensleitern sehr ernst genommen wurde.

Keine dramatischen Veränderungen zu befürchten

Die erhobenen Daten arbeiteten die Schüler in selbst erstellte Excel-Tabellen ein und präsentierten sie als Diagramme. Zunächst wurden allgemeine Informationen ausgewertet. 50 % der befragten Unternehmen gehören dem Bereich Industrie und Handwerk an. Die Mehrheit der Firmen wies eine Mitarbeiterzahl unter 50 auf. Die Betriebe waren etwa zu gleichen Teilen auf die Stadt und den Landkreis verteilt.

Interessant für die angehenden Bürokaufleute waren die Ergebnisse auf die detaillierten Fragen. So meinten 53 % der Unternehmen, dass sich die Büroarbeit in Zukunft nicht verändern wird. Entsprechend planen 62 % der Betriebe keine Veränderungen in den bürowirtschaftlichen Abläufen in der nächsten Zeit. Der (herkömmliche) Büroarbeitsplatz wird von 79 % der befragten Unternehmen als sehr wichtig angesehen und für den Mitarbeiter halten 73 % der Unternehmensleiter am persönlichen Schreibtisch fest.

Ein weiterer Fragenblock befasste sich mit der technischen Ausrüstung im Büro. Die Kommunikation über Internetportale halten knapp 60 % der befragten Firmen für nicht so bedeutend. Wichtiger werden elektronische Ablagesysteme genommen. So meinen 57 % der Unternehmen, dass Mischformen zwischen elektronischen und traditionellen Ablagesystemen das Archivieren der Zukunft bestimmen werden. Als unverzichtbare Kommunikationsmedien werden die klassischen Medien wie E-mail. Festnetztelefon, Mobiltelefon und Fax angesehen. Der traditionelle Geschäftsbrief verliert an Bedeutung.

Die Gestaltungsmerkmale von Büroarbeitsplätzen beurteilen die Bamberger Unternehmen ganz anders als die Wissenschaftler. Funktionalität, Ergonomie und Wirtschaftlichkeit des Arbeitsplatzes stehen hier im Vordergrund, während die Wissenschaftler auf Design großen Wert legen.

Beruhigendes Fazit

Zum Ende ihrer Projektarbeit konnten die Berufsschüler ein beruhigendes Fazit ziehen: Die befragten Unternehmen in der Bamberger Region sind sich der Notwendigkeit von Veränderungen in der zukünftigen Bürolandschaft bewusst und stellen sich auch darauf ein. Sie halten jedoch radikale und schnelle Anpassungen an die sich verändernde Technikwelt nicht für erforderlich.

Dies mag nach Auffassung der Klasse einerseits sicherlich am Kostenargument liegen, andererseits trägt aber die eher mittelständisch geprägte Struktur der befragten Unternehmen auch dazu bei.

Großunternehmen im Bereich Banken, Versicherungen und Industrie, die global agieren müssen, sind einem höheren Kostendruck ausgesetzt und daher Rationalisierungen bei der Büroarbeit eher zugeneigt.

Gut ausgebildete und motivierte Bürokaufleute, so die einhellige Meinung der Berufsschüler, die flexibel und offen für technische Neuerungen sind, brauchen vor den Herausforderungen der Zukunft keine Angst zu haben.

Klasse WBÜ 12b

BS III, Bamberg